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So ist Radsport - oder .... Krach gibt´s in jeder Familie

Alles fing ganz beschaulich an .........

Die Vöglein zwitscherten, die Sonne strahlte mit sich selbst um die Wette, die Straßen schämten sich für die Feuchtigkeit, die der nächtlich Regen auf sie gegossen hatte und wir - wir waren voller Tatendrang.

Zwar wurde ich schon bei der Begrüßung böse angefahren, weil ich die Mitfahrer mit "Hallo ihr Luftpumpen" - oder so ähnlich begrüßt hatte, doch das war das übliche Bohei, wenn wir uns wieder trafen ;-)

Noch war nicht abzusehen, was sich auf der heutigen Etappe alles abspielen sollte.

Bevor das Drama seinen Lauf nehmen sollte, wurde erst kurz über die zu fahrende Strecke beratschlagt und man wurde sich sehr schnell einig.

Ok - heute waren außer Martina nur die Herren Bernd, Klaus, Michael, Paul, Peter und ich in unserem Peloton, was es eigentlich leicht machen sollte, eine für alle auch aufgrund der diversen zeitlichen Begrenzungen einzelner Mitfahrer, passende Routenführung zu finden.

Geeinigt fuhren wir frisch, fromm, fröhlich, frei getreu dem Spruch vom alten Turnvater Jahn los und verließen das DOH in Richtung Burgsolms.

Da wir ja gerne die Erhebung zur Grube Fortuna zum Warmfahren nutzen, war dieser Hügel auch heute unser erster Bremskeil auf der Strecke.

Weiter ging es über Ehringshausen, Kölschhausen ins Lemptal, das wir aber schnell links ab in Richtung Dreisbach verließen.

Dieses Dorf kennen nur die wenigsten (weil es auch eigentlich ein Sackdorf ist).

Sogar die Amis haben es im zweiten Weltkrieg nicht gefunden (so erzählt man es sich).

Doch wir genossen den kleinen Ort, wenn es auch ab da zunächst stramm bergauf auf der alten (nicht mehr für öffentlichen Verkehr zugelasseen) Straße in Richtung Sinn ging.

Oben angekommen, nutzen einige die kurze Pause, um sich zu erleichtern, bzw sich von zu warmen Klamotten zu befreien.

Die Abfahrt durch die Stippach war wie immer ein Erlebnis.

Landschaftlich traumhaft schön, aber aufgrund der ÄUSSERST schlechten Oberflächenstruktur der Fahrbahn, eine echte Herausforderung für Mensch und Maschine.

Hatte Martina ihren persönlichen Mechaniker und Lebensgefährten Klaus, schon vor der Abfahrt auf die schlechte Konstitution ihres Navi-Halters hingewiesen, wobei sie natürlich mit tröstenden Worten, wie "das wird schon halten" abgespeist wurde, sollte sich unten in Sinn angekommen, auf dem Weg zur Wilhelmswalze nun bewahrheiten, was Martina schon befürchtet hatte.

Der Halter hatte vollkommen seinen Charakter verloren und das Navi war abgefallen und baumelte nur noch lustlos am Fangseil.

Die Stimmung war gereizt.

Ab sofort sollte Martinas Steuereinheit in ihrem Trikot die restliche Fahrzeit zubringen, was ihr natürlich nicht gefiel, weil sie auf die technischen Angaben des Gerätes angewiesen war.

Eigentlich war Klaus, der alte Figgediwes, immer schnell um eine zufriedenstellende Reparatur bemüht, doch hierbei fiel ihm auch nichts gescheites ein.

Da musste Martina nun durch.

Die nächsten gut zwanzig Kilometer waren dann auch nicht so ganz harmonisch, denn "die schrecklich nette Familie" keifte sich immer mal wieder an unterwegs.

Doch kurz vor Fleisbach stellte das Leben wieder mal andere Weichen.

Peter hatte einen Kettenklemmer, während uns Paul aufgrund von anderen Terminen hier verlassen musste und den Heimweg antrat.

Die Zeit, die die Reparatur benötigte, war für unseren Bergfloh Michael Anlass genug, seinen "von Fachleuten beglaubigten kognitiven Beeinträchtigungen im Bezug auf die Wahrnehmung von Steigung und Gefälle" wieder mal freien Lauf zu lassen.

An diesem Scheideweg kam ihm nun nämlich die Idde, dass wir anstatt dem ursprünglich geplanten gemütlichen weiteren Weg, auch die Bergpassage über Merkenbach und weiter hinauf in Richtung Beilstein nehmen könnten.

Was sollten wir da als anständige Radler mit Ehrfurcht vor dem Alter noch entgegensetzen?

So nahmen wir die äußerst beschwerliche Auffahrt von knapp 4 Kilometern Länge in Angriff und kamen tatsächlich irgendwann ziemlich luftleer oben an.

Nun - da wir alle ja auch vergeben konnten und es ab Beilstein dann den herrlichen Ulmtal-Radweg bis Bilkirchen nur noch bergab ging, vergassen wir fast die Qualen, die uns angetan wurden.

Über Stockhausen, Tiefenbach und den Lahnbahnhof sausten wir flott zum finalen Kaffestopp nach Burgsolms.

Erst hier kamen wieder die "verstörenden Momente" der heutigen Tour in unsere Gedächtnisse zurück.

Zeit, das erlebte Revue passieren zu lassen.

Nachdem wir die heutige Tour in einer gemeinsamen Stuhlkreissitzung aufgearbeitet und bis zum letzten ausdiskutiert hatten, waren wir einhellig der Meinung, dass wir genauso weitermachen sollten, denn genauso würde es uns auch weiterhin riesigen Spaß machen :-)

Diese nicht so ganz ernstgemeinte Tourenbeschreibung folgte am Ende unserer 70km Runde, die dank des Bergflohs stolze 762Hm für uns bereit hielt.     (Stephan)